Apple Watch und die Folgen für die Versicherungen und unsere Gesundheit.

Apple Watch und die Folgen für die Versicherungen und unsere Gesundheit.

Thomas Rechlin 14. November 2014 No Response

Am 9. Januar 2007 um 9:42 Uhr Ortszeit in San Francisco in Kalifornien ist etwas überaus denkwürdiges geschehen. An diesem Tag hat Steve Jobs der Welt das iPhone vorgestellt und diese Nachricht sollte nicht nur für Anhänger von Apple ein wichtiges Datum sein. Die Art und Weise wie Jobs das iPhone vorgestellt hat, ist ein bis heute faszinierendes Ereignis. Es sagt uns ungeheuer viel darüber, wie wir von etwas Neuem, noch nie Dagewesenem erfahren, von dem wir einfach keine richtige Vorstellung haben. Wenn wir etwas oder jemandem im Leben begegnen, ziehen wir Vergleiche und Analogien zu Dingen, Personen oder Erfahrungen, die uns vertraut sind. Was passiert aber, wenn uns etwas begegnet, das noch nie da war? Dazu passt eine Anekdote aus der Schifffahrt: Als Columbus zum ersten Mal auf die Küste Amerikas zusegelte, nahmen die Eingeborenen dort überhaupt keine Notiz von den riesigen Segelschiffen am Horizont. Sie hatten in ihrem ganzen Leben noch nie solche Schiffe gesehen und hatten demnach keine Vorstellung davon. Ganz ähnlich ging es den Menschen, die Steve Jobs zuhörten, als er ihnen das iPhone vorstellte. Die Reaktion der Zuhörer ist deswegen so verhalten, weil sie absolut keine Vorstellung davon hatten, was da auf sie zukam.

 

Apple Watch und die Folgen

Bei Apples Watch handelt es sich ebenfalls um etwas, das wir mit all seinen Auswirkungen auf unser Leben noch kaum richtig einschätzen können, gerade weil wir erste eine vage Vorstellung davon haben. Zwar gibt es schon andere Smartwatches, aber sie blieben ohne große Folgen. Auch vor dem Release des ersten iPhone gab es schon andere Smartphones mit Touchdisplays, doch erst mit dem iPhone wurden Smartphones ein Erfolg. In Zukunft wird die Gesundheits- und Versicherungsbranche auf den 9. September 2014 auf dieselbe Weise zurückblicken wie die Telekommunikationsbranche auf den 7. Januar 2007. Vielleicht wird die erste Generation der Watch noch Kinderkrankheiten aufweisen wie die erste Generation des iPhones, dem es ja auch vom Aussehen her ein wenig ähnelt. Aber genau wie das iPhone wird die Apple Watch Geschichte schreiben. Dabei spielt dieses Mal gar nicht so sehr das Aussehen, sondern das Innenleben die entscheidende Rolle. Das eigens für die Watch entwickelte Betriebssystem mit Apps wie dem HealthKit bringt den entscheidenden Unterschied und steht in einer langen Tradition von Produkten.

Apples ganzheitlicher Ansatz

Was die Produkte von Apple so einzigartig und erfolgreich macht, ist ihre Einbettung in ein ‘ganzheitlich’ durchdachtes System. Als Steve Jobs mit dem iPod die Welt der mp3-Player auf den Kopf gestellt hat, gelang das nicht durch das außergewöhnliche Design oder das neuartige Bedienkonzept. Vielmehr waren diese beiden Elemente Teil eines großen Ganzen, das in all seinen Details durchdacht wurde. Angefangen von der Frage, wie die Musik auf den iPod kommt bis hin zum Abspielen wurde alles aufeinander abgestimmt. Apple ist es gelungen die Musikindustrie umzukrempeln, die bis zu dem Zeitpunkt nicht genau wusste, wie sie mit der Digitalisierung umgehen sollte. In genau dieser Hinsicht steht die Apple Watch in der Tradition der erfolgreichen Produkte, die unter der Führung von Steve Jobs entwickelt wurden. Die Watch ist nicht nur eingebunden in die Welt der anderen Apple-Produkte – sie hat Schnittstellen zu vielen anderen Bereichen. Die vollständige Einbettung dieser Verbindungen macht die Wirkmacht der Watch am Handgelenk aus. Das HealthKit ist eines von diesen Beispielen, das deutlich macht, wie umfassend das Konzept ist, das in der Watch steckt.

An Apple a day keeps the doctor away

Nun lässt sich natürlich grundsätzlich darüber streiten, ob es ein erstrebenswertes Ziel ist, fit und gesund zu sein und ob es die Aufgabe eines Konzerns sein kann, sich darum zu sorgen. Wer nicht gerne daran erinnert wird, dass er sein Wochenpensum an Sport noch nicht erfüllt hat, wird diese Funktion sicher deaktivieren können. Doch für all diejenigen, für die Gesundheit und Fitness einen hohen Wert haben und das Leben wertvoll machen, der erhält einen nützlichen Helfer an sein Handgelenk. In den USA sind 50% der renommiertesten Universitätskliniken mit dem einen Daten-Pool verbunden, der die Informationen auswertet, die mit Hilfe von Apples HealthKit gewonnen werden. Das daraus resultierende Wissen über das Verhalten kann dazu genutzt werden, präventive Maßnahmen zu ergreifen, frühzeitig zu intervenieren und die Forschung voranzutreiben. Das Ziel, das Apple hier verfolgt ist die Etablierung ein völlig neuen Gesundheitsmanagements und damit die Förderung der Gesundheit und das Wohl aller Menschen.

“Space – the final frontier”

Mit der Smartwatch von Apple wird schließlich etwas Realität, was in der Serie Raumschiff Enterprise vor einigen Jahrzehnten noch ferne Zukunftsmusik war: Wenn Captain Kirk, Pille und Mr. Spock auf fernen Planeten ihre Abenteuer erlebten, kommunizierten sie, indem sie in ihre Armbanduhren gesprochen haben. Ich habe lebendige Kindheitserinnerungen, wie wir beim Spielen genau diese Gesten imitiert haben und ebenfalls in unsere Uhren gesprochen haben. Diese Zukunftsvision, die eine ganze Fernseh-Generation geprägt hat, wird mit Apples Watch nun wahr. Und mehr noch: All die Sensoren und Schnittstellen, die in der Watch eingebaut sind, lassen Diagnosen über sich und die Umgebung zu, machen Wissen verfügbar und helfen damit, ganz wahrhaftig Grenzen zu überschreiten.

Das Prinzip Prävention und Individualisierung

All das zusammengenommen ergibt nicht nur ein stimmiges Gesamtpaket, das für den Erfolg der Watch verantwortlich sein wird. Vielmehr wird Apple mit der Gesamtkonzeption der Watch das Gesundheitssystem auf die gleiche Weise verändern wie die Musikindustrie mit dem iPod und iTunes. Damit zeigt die Watch aber ein Prinzip auf, das für Versicherungen in Deutschland interessant ist, die sich auf die Digitalisierung einstellen wollen. Dieser Weg geht über Prävention und Individualisierung. Durch die Verknüpfung der Watch-Daten mit den Rechenzentren der Universitätskliniken wird es sogar möglich frühzeitig vorzubeugen und schlimmeren Schaden zu verhindern, wenn etwa bemerkt wird, dass der Schlafrhythmus aus dem Ruder gelaufen ist oder der Blutdruck zu hoch ist. Angesichts einer immer älter werdenden Gesellschaft, bei der eine individuelle Betreuung immer schwieriger zu gewährleisten wird, bringt die Watch ein individuelles Präventionspotential mit sich, das seines gleichen sucht. Die Verträge und Policen von Versicherungen, die auf mehrere Jahrzehnte ausgelegt sind, verhalten sich im Vergleich dazu wie Tonbänder, MC-Kassetten und Schallplatten zu Mp3s. Lassen sich Versicherungen auf dieses neue Prinzip und seine Möglichkeiten ein und ergreifen die Chance Pionierarbeit in ihrer Branche zu leisten, können beide Seiten nur gewinnen – vor allem aber das Wohl der Menschen und der Gesellschaft.


0 Kommentare

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

DIE PILOTEN SIND LIVE!! 3. November 2014 ÖV_digital mit den Piloten: Di… 11. Dezember 2014