Keine Angst vor Big Data

Keine Angst vor Big Data

Big Data, Thomas Rechlin 11. September 2014 No Response

Versicherungen und Datenanalyse gehören fest zusammen. Ganz gleich, ob es sich wie früher nun um klassisch erhobene, statistische Daten handelt, oder neuerdings um Big Data. Schon in der Vergangenheit, standen so gesehen Big-Data-Analysen im Zentrum von Versicherungen: Mit der Auswertung von großen Mengen von Daten und Statistiken wurden die Wahrscheinlichkeiten berechnet, die Grundlage für die Entwicklung von Produkten und Tarifen waren. Die heutigen Möglichkeiten von Big Data gehen weit über diese Anwendungsgebiete hinaus und werden allerdings bislang von der Versicherungsbranche kaum genutzt. Die Daten, die hier in Frage stehen, sind weit aus weniger sensibel als beispielsweise solche, die wir bereit sind herzugeben, wenn wir im Urlaub ein Mietauto mit Kreditkarte zahlen. Big Data in Verbindung mit den Mitteln, die das Internet bereit hält, bringen dabei Nutzen und Vorteile für beide Seiten – den Versicherten wie den Versicherern.

Was ist eigentlich Big Data?

In meinen ersten 10 Berufsjahren als Softwareentwickler waren der Platz auf Datenspeichern teuer und langsam im Zugriff. Die Technologien von heute ermöglichen nahezu unendliche Datenmengen zu speichern und – jetzt kommt es – in rasanter Geschwindigkeit verfügbar zu machen. Wenn man jetzt in der Lage ist diese Informationsmenge semantisch zu überprüfen, so sind in Echtzeit Entscheidungshilfen denkbar, die Leben retten oder Schäden verhindern können. Bestenfalls kommt es zu keiner solcher Situation, sondern zu einem Serviceerlebnis beim Kunden, welches sich wieder positiv auf die eigene Marke auswirken kann.

Google Now ist ein solches Beispiel. Ab 18:00 Uhr nennt mir Google Now verschieden Strecken für die Heimfahrt mit Hinweis auf die Verkehrssituation. Google hat dies gelernt, weil ich mich Nachts i.d.R. in meinem zuhause aufhalte und tagsüber an der Büroadresse. Es ist an dieser Stelle noch eine sehr einfache Ableitung für den Heimweg.

Aber man stelle sich mal vor, ein Leitungswasser Absperrventil lernt von vielen anderen Absperrventilen, wie in einer Schadensituationen der Wasserdurchfluss war und gibt diese Erkenntnis in Echtzeit an alle über Internet angeschlossen Absperrventile weiter. Im Falle einer Anomalie wird eine Nachricht an den Inhaber gesendet und ggf. das Ventil sofort gesperrt. Jeder der einmal ein Wasserschaden hatte, wird einen solchen Service zu schätzen wissen. Und auf die Versicherungsprämien könnte sich dies auch positiv auswirken, denn keiner will den Schaden.

Ich nenne das in unseren Entwicklungen die Wenn …  Dann Aktionen!

Wenn ich an bestimmten Orten bin, biete ich z.B. eine Skibruchversicherung oder Auslandsreise Krankenversicherung.

Wenn ich mein Auto an einem Ort abstelle, der in der Vergangenheit eine erhöhte Diebstahl Häufigkeit aufweist, erhalte ich eine Warnung.

Wenn das Absperrventil ein nicht normalen Wasserverbrauch meldet usw.

Nebenbei könnte ich als Versicherer die Datenaufzeichnung als Service nutzen und verschiedene Verbrauchstatistiken dem Kunden anbieten.

Oder Kunden vergleichen sich mit ähnlichen Haushalten – natürlich anonym.

Also Big Data steht für mich zum einen für die Möglichkeit großen Datenmengen zu speichern und zum anderen in der Lage zu sein, diese in Echtzeit für Versicherungs Apps verfügbar zu machen. #iCare hat die als Grundvoraussetzung.

Gute Big Data, schlechte Big Data

Beim Thema Big Data handelt es sich in einer gewissen Hinsicht um die Neuauflage eines uralten Problems aus dem Bereich der Ethik. Ein Messer kann dazu verwendet werden, um ein Brot zu zerteilen, aber auch, um einen anderen Menschen zu verletzen. Ist deswegen das Messer selbst etwas Schlechtes? Oder ist es nicht vielmehr der Mensch, der es zum Guten oder zum  Schlechten einsetzt? Ebenso ist es bei Big Data. Wie das Messer handelt es sich bei den Big Data um ein Werkzeug, das zum Guten und zum Schlechten eingesetzt werden kann. Auch wenn viel Negatives über Googles Hunger nach Daten geschrieben wird – schließt man einmal Missbrauch und Manipulation aus, dann ist Werbung, die zu den Interessen der User passt, sogar wünschenswert, anstatt alternativ blind das Internet mit Werbung zu fluten, die auf alle und niemanden zugleich zutrifft. Werbung im Netz wird in Zukunft ganz anders funktionieren und auf Partizipation und Service abzielen müssen – jeder kann diese These an sich selbst überprüfen: wie oft haben Sie schon auf einen Werbebanner geklickt, selbst wenn er Ihren Interessen entspricht?

Was wir von Google lernen können

Wie ich in meinem ersten Blog-Beitrag “Zurück zum Ursprung. Mit iCare wird Versicherung wieder zum Garant für Sicherheit und Wohlfahrt.” bereits angedeutet habe, hat mich die ursprüngliche, simple wie geniale Idee von Google inspiriert. Das gesamte Wissen der Welt sollte über einen einfachen Suchschlitz allen Menschen zur Verfügung gestellt werden. In Anlehnung an das Konzept von Larry Page soll in Zukunft eine Plattform – iCare – entstehen und sie soll Menschen weltweit eine Transparenz verschaffen, wo er in seiner persönlichen Lebensvorsorge und seiner Absicherung Familie sowie Hab und Gut steht. Dazu benötigt man die Hilfe von Big Data: Datenbanken und Statistiken, die mit den Informationen anderer Nutzerprofile arbeiten, helfen bei der Abklärung der eigenen Situation – dadurch muss sich der Kunde nicht mehr allein auf den Berater verlassen, sondern kann auf das Wissen und die Erfahrung von vielen anderen Menschen aufbauen.

Big Data aus Kundenperspektive

Ein Kunde hat dadurch zwei Parameter an der Hand, die ihm es ermöglichen in Echtzeit Entscheidungen zu treffen: Zum einen alle Informationen über sich selbst und seinen Versicherungsstatus – sein persönliches Versicherungs-Profil. Zum anderen alle erdenklichen Informationen über vergleichbare Kunden, Wahrscheinlichkeiten, Alternativen. Wenn dann noch Front-End, sprich: die Oberfläche von iCare, und das Back-End, sprich: die tatsächlichen Versicherungen, miteinander verbunden sind, kann man individuell und jederzeit seinen Versicherungsstatus der jeweiligen Situation anpassen. Je detaillierter die Informationen eines Kunden sind, desto genauer wird er seinen Versicherungsstatus klären können und desto besser kann er in einer bestimmten Situation seine Versicherung anpassen.

Big Data aus Versicherungsperspektive

Wenn Kunden auf diese Weise von der Digitalisierung und Big Data ihren Nutzen ziehen, ist das aber nur eine Seite der Medaille. Je stärker die Kundenorientierung und der aktive, praktische Nutzen für die Kunden ist, desto mehr werden Kunden den Service nutzen. Dadurch gewinnen Versicherer wieder wertvolle Informationen über das Verhalten ihrer Kunden. Daten und Informationen, die wieder in die Datenbanken einfließen können, um diese weiter zu optimieren. Darin liegt die Chance für die Versicherungsbranche: die Daten über die Menschen, können zum Wohle der Versicherten eingesetzt werden und gleichzeitig dem Versicherer bei seiner Arbeit dienen, so dass beide Seiten von der Digitalisierung nutzen haben.

Big Data und Marktforschung

Damit ist der Nutzen von Big Data aber noch nicht erschöpft. Über Apps von Versicherungen, die ihre Kunden auf dem Smartphone dabei haben, können Dinge zu Tage fördern, die selbst qualitativer Marktforschung verborgen bleibt. Durch den Einblick in die Bewegungsprofile und das digitale Verhalten von Versicherten, lässt sich der Bedarf von Produkten überprüfen und Risiken lassen sich sehr viel genauer kalkulieren. Die intelligente Verschaltung von Apps ermöglicht es Versicherer darüber hinaus ihren Kunden einen Service anbieten, der bislang undenkbar war. Das Erheben von großen Datenmengen und eine genauere Kenntnis der Kunden muss also nicht automatisch zur Aufkündigung des Solidaritätsprinzips führen. Vielmehr entsteht dadurch die Datengrundlage für Dienstleistungen, die Chancen und Nutzen für beide Seiten bedeuten.

Versicherung von Daten

Das Kerngeschäft von Versicherungen besteht in der Absicherung bestimmter Lebensbereiche und Werten. Das Thema Datensicherheit ist noch sehr neu, und bietet der Branche die ideale Chance einen neuen Trend, eine revolutionäre Arbeitsweise einzuleiten. Daten sind inzwischen zu etwas enorm Wichtigem geworden, was sehr viel mit uns als Menschen zu tun hat und schon jetzt ist das digitale Selbst kaum mehr aus unserem Leben wegzudenken. Im Moment kämpfen die Künstler um die Anerkennung des geistigen Eigentums ihrer Erzeugnisse. Bald schon werden alle Menschen an der Sicherung ihrer eigenen Daten interessiert sein, die ähnlich wie ihr Eigentum ein Wert an sich sind. Deswegen ist die Sicherheit unserer persönlichen Dokumente und aller Daten über uns im Internet eines der zentralen Themen der Zukunft. Warum sollten Versicherer künftig nicht auch sichere Daten und Sicherheitsaspekte von Big Data zu ihrem Thema machen? Wie Bankkunden sich ein Fach im Safe in einer Bankfiliale kaufen können, können Versicherer ein Daten-Schließfach anbieten, in dem sensible Dokumente lagern können. Server in Deutschland profitieren zudem schon allein durch ihren Standort von der Rechtssicherheit, hierzulande höher ist als im internationalen Vergleich.

Machen wir uns es also zum Ziel, Big Data zum Wohle aller einzusetzen, damit – frei nach Leibniz – die Menschen mit Hilfe der Assekuranz nicht nur sicher, sondern wohl leben.


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